Freimaurer wissen, dass die Werte, zu denen sie sich bekennen, immer wieder neu belebt, angesichts bestehender Gefährdungen präzisiert und in stetigem Bemühen verwirklicht werden müssen. Der Freimaurerbund verzichtet bewusst darauf, politische Programme zu formulieren, und beteiligt sich nicht an parteipolitischen Auseinandersetzungen.
Logen sind vielmehr Orte, an denen durch Information, Austausch und gemeinsames Nachdenken verantwortliches persönliches Handeln vorbereitet wird. Ihre unverändert wichtige aufklärerische Aufgabe erfüllen die Freimaurer der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland durch das Überwinden von Vorurteilen, die Entwicklung von Sensibilität für die Fragen und Probleme der Zeit sowie durch das ernsthafte Bemühen um gemeinsame Wahrheitssuche.
Freimaurer sind sich bewusst, dass ein sinnvolles Leben – sowohl für den Einzelnen als auch für gesellschaftliche Gruppen – zweierlei voraussetzt: Kenntnis der Welt, in der man lebt, und tragfähige Überzeugungen, die das eigene Handeln leiten. Die Logen wollen hierfür Orientierung bieten. Die Reflexion der Wirklichkeit im Lichte von Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Toleranz, Friedensliebe und sozialer Gerechtigkeit kann Maßstäbe für verantwortliches Entscheiden vermitteln.
Freimaurer beanspruchen nicht zu wissen, wie eine menschliche Welt im Einzelnen auszusehen hat, denn sie verzichten darauf, gesellschaftspolitische Utopien zu entwerfen. Doch die Leitbegriffe von Menschlichkeit und Toleranz geben ihnen die Möglichkeit, Bedrohungen zu erkennen und verantwortungsvoll zu handeln.
Der Freimaurerbund besitzt ein überliefertes Brauchtum, dessen symbolischer Ursprung in den mittelalterlichen Bauhütten liegt. Die rituellen Arbeiten dienen
der Aufnahme neuer Mitglieder in die Gemeinschaft,
der Vertiefung brüderlicher Bindungen,
der Besinnung auf die moralischen Grundlagen des Bundes,
der Sammlung und inneren Stärkung des einzelnen Bruders.
Obwohl die Zusammenkünfte der Freimaurer nicht ausschließlich in ritualisierter Form stattfinden, nehmen die sogenannten Tempelarbeiten eine zentrale Stellung ein. Es ist letztlich unerheblich, ob man die rituelle Arbeit als Zweck oder als Mittel des Bundes versteht – ob sie die Gemeinschaft trägt oder von ihr getragen wird. Unbestritten ist, dass sich das freimaurerische Leben im Kern um diese Zusammenkünfte entfaltet. Nicht zuletzt beruht die Lebenskraft des Bundes auf seinem im Wesentlichen seit Jahrhunderten überlieferten Schatz an Formen und Symbolen.
Der Freimaurerbund geht von der Erfahrung aus, dass seelische Vorgänge eines sinnlich erfahrbaren Ausdrucks bedürfen, um dauerhaft wirksam zu werden. Daher bedient sich die Freimaurerei einer Vielzahl von Symbolen und symbolischen Handlungen. Diese können gedeutet werden, sind jedoch keiner verbindlichen dogmatischen Auslegung unterworfen.
Mit ihrem rituellen Gefüge schafft die Freimaurerei Räume der Ruhe und Kontemplation – Räume, die der Mensch unserer Zeit häufig vermisst. Die Tempelarbeit spricht dabei gleichermaßen die emotionale wie die rationale Seite des Menschen an. Handlung, Wort und Musik bilden eine ausgewogene Einheit.
