Die Freimaurerei – ein alter europäischer Bruderbund, der sich den Idealen weltoffener Humanität verpflichtet weiß – blickt heute auf eine fast dreihundertjährige Geschichte zurück.
Im Jahr 1717 schlossen sich in London vier Logen zur ersten Großloge zusammen und legten damit den organisatorischen Grundstein der modernen Freimaurerei. Wenige Jahrzehnte später entstanden auch in Deutschland erste Logen, unter anderem in Hamburg und Mannheim.
Heute bestehen in Deutschland mehrere hundert Logen. Über die Ursprünge der Freimaurerei gibt es zahlreiche Theorien und Deutungen. Historisch gesichert ist die Entstehung der modernen Freimaurerei im England des 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Ihre Symbolik und Teile ihres Brauchtums knüpfen dabei an die Traditionen der mittelalterlichen Bauhütten an, in denen zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert die großen Kathedralen und Münster Europas errichtet wurden.
Im Laufe des 17. Jahrhunderts wandelten sich in England die ursprünglich handwerklich geprägten Zusammenschlüsse der Steinmetzen allmählich zu sogenannten „spekulativen“ Logen. Neben den praktizierenden Bauhandwerkern nahmen nun zunehmend auch „angenommene“ Mitglieder ohne handwerkliche Tätigkeit teil. Die Werkzeuge des Bauhandwerks – etwa Hammer, Winkelmaß oder Senkblei – verloren ihre praktische Funktion und wurden zu Symbolen moralischer und geistiger Arbeit.
1723 veröffentlichte James Anderson im Auftrag der Londoner Großloge sein Konstitutionsbuch, das bis heute als grundlegende Schrift der modernen Freimaurerei gilt. Es formulierte Prinzipien, die den Bund organisatorisch und geistig prägten.
Im Zeitalter der Aufklärung wirkten viele Freimaurer als überzeugte Vertreter von Vernunft, Toleranz und Menschenrechten. Die Logen selbst waren jedoch keine politischen Kampforganisationen, sondern Orte des geistigen Austauschs. Einzelne Brüder engagierten sich in gesellschaftlichen Reformbewegungen und trugen zur Entwicklung moderner Vorstellungen von Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung bei.
Die Herausforderungen unserer Zeit unterscheiden sich von denen früherer Epochen. Sie erscheinen oft weniger spektakulär, sind jedoch nicht minder anspruchsvoll. Individualisierung, gesellschaftliche Vereinzelung, Orientierungssuche und ein wachsender Druck durch wirtschaftliche und soziale Veränderungen prägen das Leben vieler Menschen.
Hier setzt die Freimaurerei an: Sie versucht, durch persönliche Entwicklung, gemeinschaftliche Verbundenheit und verantwortliches Handeln ihrer Mitglieder einen Beitrag zu einem menschlicheren Miteinander zu leisten. Veränderung beginnt – so ihr Selbstverständnis – beim Einzelnen.
